Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Bumm.

Saturday, February 27th, 2010

Nun hab en wir das Jahr des Tigers. Wie auch die Jahre zuvor habe ich Neujahr im Ausland verbracht, bin aber rechtzeitig zum „Lantern Festival“ wieder im Land. Worum es beim Lantern Festival genau geht weiss ich nicht – es ist der erste Vollmond im neuen Jahr, und an diesem Tag muss anscheinend das noch vorhandene Feuerwerksmaterial  aufgebraucht werden. Es kracht, und zwar gewaltig.

Lantern Festival ist morgen. Aber man soll sich ja langsam steigern, und insofern klingt es draussen momentan ungefaehr so wie in Deutschland am Neujahrsmorgen um 0 Uhr 3. Das wird jetzt in den naechsten 24 Stunden zunehmend mehr werden, bis man dann als  vernuenftiger Mensch am besten einen Atomschutzbunker aufsuchen sollte. Raketen und Boeller wie im Deutschland gelten hier als Kinderspielzeug, echte Chinesen verwenden groessere Kaliber.

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Verkauf von Feuerwerk

Nachdem es in den letzten Tagen wie zu erwarten wieder dutzende Tote durch Feuerwerk gab  (ein typischer Verkaufsstand in einem Wohngebiet entfaltet potentiell mehr Sprengkraft als ein von Osama B. beladener LKW) versucht die Regierung etwas auf die Sicherheit zu achten. Klappt zwar nicht, ist aber lustig. Aus irgendeinem Grund ist im Park vor unserer Wohnanlage das Abfackeln von Feuerwerk verboten. So wie es rundherum kracht und knallt wird es zwar nichts helfen, aber bitte. Ein Verbot alleine reicht in China natuerlich nicht, an den Eingaengen des Parks steht massives Polizeiaufgebot, die Herren mit den weissen Helmen kontrollieren alle Taschen und Rucksaecke und konfiszieren Feuerwerksoerper. Daneben steht ein Feuerloescher. Zwei der vier Polizisten sind Kettenraucher, die auch beim Handhaben des konfiszierten Sprengstoffs fleissig an der Fluffe ziehen.

Ich setze mich daneben und schaue der Szene zu. Neben den Polizisten stapelt sich die beschlagnahmten Raketen und Boeller. Wenn gerade niemand zu kontrollieren ist wird es ihnen langweilig, sie nehmen sich dann Kracher vom Stapel, zuenden sie an ihren Zigaretten an und werfen sie in den feuerwerksfrei zu haltenden Park.

Irgendwann wird es mir zu laut und ich gehe nach Hause. Am Eingang unsere Wohnanlage wird auch fleissig gezuendelt. In Deutschland gibt es ja diese Matten aus kleinen Knallern, jeder 1-2cm lang, die gesamte Matte dann 10 Zentimeter lang und bestehend aus ca. 50 Knallkoerpern die dann fast gleichzeitig gezuendet werden. Sowas gibt es hier auch, allerdings sind die Matten 2-3m lang, und jeder einzelne Kracher wuerde bei uns als Kanonenschlag durchgehen. So ein Ding wird neben mir gezuendet, ich springe beiseite und bin erstmal taub. Dann kommt eine junge Muetter mit ihrem kleinen Kind, vielleicht 3 Jahre alt. Sie stellt eine Feuerwerksbatterie auf, ca. 1 Kubikmeter gross. Die Dinger schiessen minutenlang riesige Feuerwerksbomben ab und wuerde in Deutschland mit Sicherheit unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen. Runderhum weitere  Muetter mit ihren Kindern (keine Ahnung wo die Maenner stecken) sowie die Wachen unserer Wohnanlage. Die Mutter gibt dem kleinen Kind ein Feuerzeug und laesst das Kind die Batterie anzuenden; dann greift sie das Kind, rennt 10m weg und versteckt sich hinter einem Busch. Alle andern bleiben naeher stehen (ich auch). Rumms. Rumms. Rumms. Das Grossfeuerwerk-in-a-box beginnt, in Deutschland muesste man bei sowas wohl einen halben Kilometer Abstand halten. Hier rieselt der Aschenregen auf die Schultern.

Draussen hallen die Echos der Explosionen zwischen den Hochhaeusern wieder. Stille gibt es nicht, es kracht ohne Unterbrechung, die Alarmanlagen der Autos heulen ohne Pause. An Schlaf ist nicht zu denken.

Rester einer einzelnen Sprengstoffmatte

Rester einer einzelnen Sprengstoffmatte

Dabei ist Lantern Festival doch erst morgen… das da draussen ist nur die Aufwaermuebung.

You’re my heart…

Thursday, January 14th, 2010

Tja, was ist ein guter Einstieg nach so langer Zeit? Vielleicht mal wieder mein Lieblingsthema: “Western Music” in China. Ja, man kann mich noch schocken. Ich hatte ja schon erwaehnt, dass die Spinning-Kurse hier gerne mal mit Rammstein oder Scooter untermalt werden. Aber letzte Woche kam dann noch ein weiterer deutscher Exportartikel hinzu. Modern Talking. Sport zu Bohlen + Anders. Das ich das noch erleben darf…

Viele Chineses halten ihre Kultur fuer allen anderen Kulturen deutlich ueberlegen (”Reich der Mitte” –> alles andere ist nur Rand). Und zumindest was Musik angeht verstehe ich das mittlerweile. Nicht dass ich inzwischen Liebhaber von Pekingopern geworden waere; nein, morgens um 8 ist es immer noch eine physische Belastung, wenn der Taxifahrer in bruellender Lautstaerke chinesische Arien hoert… und auch C-Pop ist meist an Belanglosigkeit und Langeweile kaum zu unterbieten, selbst wenn die Interpret(inn)en in der Regel sehr appetitlich anzuschauen sind. Aber was aus dem Westen hier so musikalisch rueberschwappt legt in der Tat den Schluss nahe, dass wir Langnasen nicht viel Kultur haben.

Kuerzlich in Qingdao (deutsch. Tsingtao) waren wir in der “European Street”. Wirklich: Die Haeuser boten einen vertrauten Anblick, im Zentrum des Viertels eine Kirche, auf dem Kirchenvorplatz ein Strassenkaffee. Alles wie zuhause. Nun ja, fast… man muss wisssen, dass “Kirche” hier vor allem mit “romantisch” verbunden wird, weniger mit Religion. Und was ist romantischer als… als… bitte Luft anhalten und hinsetzen… also: was ist romantischer als eine Kuschelrock-LP aus den 80ern? Genau! Folglich wird der gesamte Kirchvorplatz mit Kuschelrock-Musik beschallt, Phil Collins, eine Weichspuelversion von Let-it-be, “Dreams are my reality”, der gesamte Folterkeller aus meiner Jugend. Am Ende eines jeden Liedes freuen wir uns dass es vorbei ist – haben aber gleichzeitig Angst, was denn als naechstes kommt.

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Und von wegen “romantisch”: Das ist natuerlich die ideale Kulisse fuer Hochzeitsfotos, die Brautpaare standen folglich schlange. Und besonders schoen wird es natuerlich mit weissen Tauben. Damit die nicht wegfliegen hat man ihnen die Fluegel amputiert, aber das faellt von weitem nicht auf, und ueberhaupt, wer wird denn so Detailversessen sein.

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Das ist Europa… fluegelamputierte Tauben und Celine Dion? OK… noch Fragen zur leitkulturellen Ueberlegenheit?

Auf jeden Fall ist China keine Bastion des Individualismus. Ein ganz persoenliches Bild zur Hochzeit? Mit Strand und Sonnenuntergang und so? Bitte schoen hinten anstellen

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Aber ich schweife ab und sollte wohl besser zum Schluss kommen. Na dann: Seithore!

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Hello again…

Sunday, December 13th, 2009

Tja… da bin ich wieder! Nachdem mein Blog hinter der Great Firewall of China verschwunden ist versuche ich es jetzt mal hiermit. Viel Spass beim Lesen!

High in the mountains

Monday, July 20th, 2009

Suedlich von Xi’an gibt es wunderschoene Berge. Auf den Gipfeln Tempel, auf dem Weg nach oben Kloester. Aber was machen die Moenche und Nonnen da nur den ganzen Tag? Meditieren? Wird das nicht auf Dauer langweilig?

Ich denke schon… am Rand des Gartens eines buddhistischen Nonnenenklosters fand sich jedenfalls diese nette Plantage:


Ich wuensche gute Erleuchtung!

Ja… Nein… Jein!

Monday, July 20th, 2009

Man lernt das ja in jedem interkulturellen Training: Chinesen sagen nicht gerne “nein”. Auch schlechte Nachrichten ueberbringt man nicht gerne, lieber wird das Problem versteckt und man hofft, dass es sich von selbst loest (oder zumindest niemand was merkt bis man sich aus dem Staub gemacht hat). Das kann im Arbeitsalltag ganz schoen anstrengend sein, aber im Alltag macht es zuweilen sogar Spass.

Letzte Woche auf Dienstreise in Jinan. Unser Hotel liegt mitten im Industriepark, Dank des Mangels an jeglicher Infrastruktur im Hotel und um das Hotel herum kann man sich voll und ganz auf die Arbeit konzentrieren. Trotzdem wuerden wir am Abend gerne noch ein Bier trinken und erkundigen uns an der Rezeption. Hier im Haus geht nichts, aber gleich um die Ecke soll es noch ein Hotel mit einer Bar geben. Also gut, Taxi herangewunken, aber der Fahrer kennt das andere Hotel nicht. Auf unsere Bitte erklaert ihm das Maedel von der Rezeption den Weg.

Fuenf Minuten spaeter kommen wir am anderen Hotel an. Ein Hotelangestellter oeffnet uns die Fahrzeugtuer, und als wir ihn gleich nach der Bar fragen schaut er erst etwas betreten, schickt uns dann jedoch in die Eingangshalle. Wieder fragen wir nach der Bar… Die Dame von der Rezeption meint sie sei sich nicht sicher, ob es hier wirklich eine Bar gibt. Haeh? Aber OK, wir fragen nochmal nach, schliesslich hatte uns der Angestellte von draussen ja bestaetigt dass es eine Bar gibt. “I am not so sure about this”. Wir gehen nochmal raus und lassen uns bestaetigen, dass es drinnen eine Bar gibt. Und als Auslaender sind wir beharrlich, wir bringen jetzt die Rezeptionsdame und den Angestellten von draussen zusammen, um das Problem zu loesen. Die beiden diskutieren eine Weile, koennen aber anscheinend auch nicht rauskriegen ob es drinnen jetzt eine Bar gibt oder wo sich diese gerade versteckt haelt. Nach einer Weile klopfen wir hoeflich an; die beiden wenden sich an ihr Management. Und weiter wird diskutiert.

Auch dieses Hotel liegt in der Mitte von nirgendwo, und wir fuerchten, dass unser Taxifahrer nicht auf uns wartet wenn wir uns nicht bald entscheiden zu bleiben oder ihn fuer eine Stunde spaeter wieder herzubestellen. Die Diskussion zwischen den Hotelangestellten ob es jetzt eine Bar gibt oder nicht findet immer noch kein Ende, vielleicht schauen sie gerade hinter jeder Tuer nach ob da nicht doch eine ist. Ausserdem schauen sie immer wieder zu uns, in der Hoffnung, dass wir (und damit das Problem) einfach verschwinden.

Aber wie gesagt, wir sind ja Auslaender, und deshalb fragen wir nochmal: Hat das Hotel jetzt eine Bar oder nicht. Das restliche Personal tritt den Rueckzug an, nur der Manager bleibt und schaut betreten zu Boden. Nein, es gibt leider keine Bar, er ist deeply sorry und ueberhaupt. Und nein, auch sonst gibt’s in der Gegend nichts.

Traenen lachend fahren wir in einen kleinen Supermarkt und verbringen den Abend mit Dosenbier im Hotelzimmer meines Chefs.

waere doch gelacht…

Sunday, July 19th, 2009

Mir kleben die Ohren

Wednesday, June 3rd, 2009

Ich habe heute bruellend laut meine Best-of-ACDC gehoert, danach die neue Metallica, und zum Abschluss noch Depeche Mode. Das war wie eine erfrischende Dusche nach einem Bad in Jauche. Wieso? Nun, am Wochenende sind wir mit dem Zug gefahren, in der billigsten Klasse, dem “Hard Seater”. Der groesste Haken am Hard Seater ist allerdings nicht der harte Sitz, der ist vielmehr recht weich und ich habe in Deutschland schon unbequemer gesessen. Der groesste Haken ist der nicht abstellbare Lautsprecher in der Wagendecke. Dort werden immer die naechsten Stationen angesagt, das ist durchaus hilfreich da die Zuege nur kurz halten und wenige Zeit zum Aussteigen ist. Aber anscheinend koennen Chinesen Stille nicht ertragen oder sie muessen sich permanent versichern, dass die Krachanlage auch wirklich noch funktioniert. Und wie macht man das? Man spielt Musik. Non-Stop. Saxophon. Kenny G. Und der covert dann Rock-Klassiker wie Celine Dion, Richard Marx, Phil Collins und die Carpenters. Ohne Pause, stundenlang.

Beim Fruehstueck im Hotel vor der Abfahrt hatten wir schon eine Stunde “Power of Love” von Jennifer Rush gehabt. Im Original, ohne Kenny G. Immer wenn es zu Ende war ging es wieder von vorne los. So laut, dass man sich kaum unterhalten konnte.

Anders als Qimonda wird mein neuer Arbeitgeber keine Erschwerniszulage fuer den Aufenthalt in China zahlen… :-(

Great Wall

Friday, May 29th, 2009

China loben? Das passt wohl nicht ins Konzept. Blogspot ist mal wieder hinter dem Great Firewall of China verschwunden. Man kommt von hier nur noch unter groesseren Verrenkungen ran; bloggen geht nur sehr eingeschraenkt (lesen Dank “Great Ladder” etwas besser…).

Liebe Ober-Parteifuzzis, macht’s doch bitte wieder auf. Das mit den Proxies ist echt laestig, haelt aber auch niemanden auf. Ich verspreche auch, in Zukunft nur noch lustige oder kritische Artikel zu schreiben und keinerlei Lob mehr ueber Euer Land auszusprechen. OK?

I like chinese

Friday, May 8th, 2009

Genug gemeckert. Ja, der Verkehr ist chaotisch, die Luft dreckig, die Menschen (oft) rücksichtslos. Aber es gibt doch eine ganze Menge Dinge, die hier besser funktionieren als in Good Old Europe. Einige Beispiele gefällig?

Beim Friseur (übrigens immer inklusive Kopfmassage vorher!) fallen keine Haare in den Kragen. Ich habe keine Ahnung, wie sie das hinkriegen – aber der Haarschnitt zieht hier niemals Kratzen im Nacken oder Jucken am Rücken nach sich. Ich habe noch nicht einen einzigen Friseur in Deutschland gefunden, der das hin bekommen hat.

Am ersten Maiwochenende wollte ich mit dem Bus in die Berge. Dieselbe Buslinie fährt auch zur Terakotta-Armee, und da das Wetter schön war und am langen Maiwochenende viele Chinesen gerne einen kleinen Ausflug machen war ich nicht alleine an der Bushaltestelle. Die Warteschlange war einige hundert Meter lang und fasste tausende Menschen. Ihr habt richtig gelesen, es ist kein Tippfehler: Die Menschen standen in einer geordneten Schlange an (zugegebenermaßen Dank massiven Einsatzes von Ordnungskräften, aber immerhin). Die Busse kommen im Minutentakt, werden nur soweit gefüllt dass es drinnen noch angenehm ist und nach einer knappen halben Stunde ist die gesamte Menschenmasse völlig ohne Chaos abtransportiert. Wer mal erlebt hat wie vollkommen hilflos und unprofessionell die Münchner Verkehrsbetriebe jeden Samstag aufs Neue davon überrascht werden, dass etwas mehr Menschen als sonst am Odeonsplatz in die U-Bahn Richtung Stadium einsteigen wollen, der ist von der chinesischen Variante auf jeden Fall beeindruckt.

Überhaupt Busse… ja, sie sind oft ueberfuellt und nicht gerade in bestem Zustand. Aber dafür fahren sie auf allen Linien im Takt von wenigen Minuten. Und wieder schöne Gruesse an den MVV (ich würde jedenfalls auch in München lieber in einem rostigen Bus mit einer billigen Holzbank sitzen als im Regen auf ein frischlackiertes Edelfahrzeug mit Stoffsitzen zu warten, das nur alle 40 Minuten kommt, weil mehr Busse einzusetzen zu teuer wäre).

Eine 90-minütige Massage ist an unzähligen Orten für wenige RMB zu haben. 24 Stunden am Tag. Nichts anzügliches, einfach nur Wellness pur. Statt in die Kneipe geht man nach dem Abendessen gemeinsam zur Massage. Ein Jahr Internet-Flatrate übers Mobiltelefonnetz (3G) kostet weniger als 100 Euro. Gut, man ist dabei hinter der Great Firewall of China, aber dafür funktioniert Google Music. Und jetzt die logische Kombination: Es mag dekadent scheinen, während einer Fußmassage per Netbook zu surfen und die MP3-Sammlung zu erweitern. Aber es hat was.

Das am weitesten verbreitete Verkehrsmittel in der Stadt sind entgegen aller Klischees nicht klapprige Fahrräder und entgegen aller China-wird-zu-groß-Panik auch nicht private PKWs, sondern Fahrräder mit elektrischem Hilfsmotor und Elektroskooter. In Deutschland wird wahrscheinlich in 10 Jahren noch über die Innovation elektrischer Antriebe geredet während man sie hier einfach benutzt.

Anstatt Hunde auf die Straßen scheißen zu lassen isst man sie einfach auf. Zumindest in einigen Regionen. Ist der Köter erst mal im Hotpot kann er keinen Dreck mehr auf dem Bürgersteig hinterlassen.

Die Ampeln zeigen neben rot oder grün auch an, wie lange es noch bis zum Umschalten dauert. Das ist zwar hier vollkommen unerheblich (siehe Verkehr), wäre aber in Deutschland durchaus hilfreich. Und man spart sich dadurch das absolut überflüssige gelbe Licht („Ampel geht nicht“ kann man anstelle von Blinklicht übrigens auch durch „Licht aus“ visualisieren).

Die meisten Mädels tragen im Sommer kurze Röcke und Hosen. Sehr kurze. Und: Alle die dies tun können es sich auch leisten. Für Geschmacksverwirrungen bei der Wahl der Kleidung sind in China ausnahmslos die Männer zuständig (ich sage nur: dicker Bauch, T-Shirt bis zum Hals hochgezogen). OK, die eine Ausnahme (fleischfarbene Söckchen in eleganten Stöckelschuhen) lasse ich gelten. Aber das war’s dann auch. Und siehe unten: 120 Millionen davon sind heiratswillig ;-)

Große Supermärkte und Einkaufszentren haben bis 22 Uhr geöffnet, kleine Läden länger, in den meisten Wohnanlagen gibt es einen 24-Stunden-Shop. Wenn man nicht selbst gehen möchte ruft man an, sie liefern an die Wohnungstür. Ohne Mindestbestellmenge, auch wenn’s nur eine Tüte Nüsse oder eine Rolle Klopapier ist. Gerade letzteres kann lebensrettend sein wenn man mal wieder bei der Aufstellung der Einkaufsliste geschlampt hat… Banken, Post und Behörden haben natürlich am Wochenende auf, denn in der Woche müssen die Kunden ja selbst arbeiten. Für den nicht bei Ver.di organisierten Teil der Bevölkerung ist das jedenfalls angenehmer.

Es sind immer ausreichend Bedienungen im Restaurant vorhanden. Es kann sein, dass man zu Stoßzeiten mal ein paar Minuten aufs Essen warten muss, aber Speisekarte und Rechnung kommen immer prompt. Und auch hier wieder Grüsse an diverse Restaurants in München, schaut’s Euch ruhig a bisserl was beim Chinesen ab! Jacken werden übrigens in besseren Restaurants mit Stoffbezügen gegen Essensgeruch oder Zigarettenqualm geschützt. Man bestellt das Essen gemeinsam, und jeder darf von allen Gerichten essen. Schön abwechslungsreich.

Niemand käme hier auf die Idee, an bestimmten Tagen laute Musik oder das Tanzen zu verbieten, nur weil vor knapp 2000 Jahren ein langhaariger Prediger im Nahen Osten hingerichtet wurde. Übrigens auch nicht weil ein Großer Vorsitzender gestorben ist.

Wenn Parks oder Gärten neu angelegt werden (oder auch nur Straßen und Bürgersteige verschönert), dann werden ausgewachsene Bäume eingepflanzt. Nach spätestens einem Jahr haben die auch wieder vollständiges Laub und spenden angenehm Schatten. Nicht so wie in Deutschland, wo man sich bei jeder vergleichbaren baulichen Maßnahme erstmal vorstellen darf, wie schön das Ganze doch in 20 Jahren erst aussehen wird wenn aus den kleinen Pflänzchen endlich richtig große Bäume geworden sind. Nein, in China ist ein Park nach Ende der Bau- und Pflanzungsarbeiten auch wirklich fertig.

Wenn jetzt jemand meint das sei alles zu positiv, der setzte sich bitte hin, bohre sich ein Loch ins Knie und gieße ein Glas Milch hinein. Wenn ich mal wieder in China zum Arzt muss, der Strom ausfällt, ich einem gelben LKW nur durch einen beherzten Sprung in eine Pfütze ausweichen kann oder einen Blick in den Amnesty-International-Jahresbericht werfe, dann jammere ich wieder. Aber es ist eben nicht alles nur schwarz und weiß.

Welcome to join the drop city activity

Sunday, May 3rd, 2009

Wenn Chinesen Schilder ins Englische übersetzen ist das fast so lustig wie wenn sie autofahren. Manchmal sogar lustiger, und es gibt weniger Verletzte. Aber erstmal wieder ein Quiz:


Wofür werben diese Damen?
- Die Titelszene aus einem chinesischem Pornofilm (aka „Yellow Movie“)
- Plastiktulpen aus Holland
- Fleischliche Gelüste
Die Lösung wie immer am Ende dieses Eintrags.

Ihr kennt die T-Shirts und Tattoos mit chinesischen Schriftzeichen drauf, von denen keiner weiß was sie bedeuten? Nun, hier ist es ähnlich – vielen möchten einfach irgendwas westlich klingendes haben. Auf T-Shirts kann das sehr lustig sein; wenn das brave Schulmädchen ein enges rosa T-Shirt mit der Aufschrift “those are here to give you happy” auf dem Busen trägt (und sicher kein Wort davon versteht), dann bewundere ich jedenfalls den Humor des Texters. Und Geschäfte brauchen natürlich einen englischen Namen, auch wenn sie weder westliche Produkte anbieten noch ausländische Kunden als Zielgruppe haben (und natürlich auch kein englischsprachiges Personal angestellt haben; für Anfänger ganz schön verwirrend, wenn man in dem Gewusel chinesischer Schriftzeichen auf einmal einen „Shoe Shop“ entdeckt und ganz naiv davon ausgeht, dass man hier mit Englisch durchkommt).

Bei der Namenswahl ist Fantasie angesagt, so findet man im „Top 10“ nicht etwas Musik sondern Taschen, im „Sweet Face“ verkauft man Socken anstelle von… naja, ich weiß eigentlich auch nicht, was ich in einem Laden namens „Sweet Face“ erwarten würde. Und nein, 3R3H ist keine Lebensberatung sondern ein Restaurant.



Oft gibt es noch die Kunstworte. Klaatu barada nikto, aber jetzt erst recht:



„Ziction“ ist allgegenwärtig. Es gibt ein Ziction Hotel, ein Grand Ziction Restaurant, ein Ziction Building und vieles mehr. Falls jemand eine Ahnung hat was das heißen soll bitte bei mir melden, als Belohnung gibt es ein Buch aus dem Ziction Bookstore.

Aber wirklich schön wird es erst bei der ernstgemeinten Übersetzung aus dem chinesischen. Auf geprägten Schildern, auf Werbezetteln, auf Plakatwänden von der Größe eines Tennisfelds: Damit es richtig professionell ist muss es auch auf waiguorensisch dastehen. Dem Chinesen gefällt’s, den Ausländer unterhält’s.

Manchmal ist die Übersetzung korrekt und ergibt Sinn. Manchmal aber auch nicht. Und ob sie hilfreich ist steht nochmal auf einem anderen Blatt:


Wie im gesprochenen Chinesisch ist oft auch hier die Kenntnis des Kontextes zum Verständnis zwingend notwendig.




An einem ungesicherten Berghang, neben einem See und am Eingang eines Fahrradkellers durchaus akzeptabel, oder?

Und als Deutscher kennt man sich mit Mülltrennung natürlich aus und hat auch hiermit keine Schwierigkeiten:


Neben dieser Variante sind übrigens für die rechte Hälfte des Mülleimers auch noch die Bezeichnungen „unrecycling“, “no reclaimed” und “can not” (dann neben “can”) gebräuchlich. Der Abfall wird nachher ohnehin wieder gemischt, ist also egal.


Manchmal braucht man den Kontext auch unbedingt, um Missverständnisse zu vermeiden. So gibt es den „Spanking Wine“ in einer ganz gewöhnlichen Kneipe (und nicht etwa in einem SM-Studio).

Tja, und dann gibt es noch die echten Rätsel. Was wollen sie uns hier nur sagen? Scheint wichtig zu sein…



Wenn es dann zu rätselhaft wird ergänzt man es besser um Piktogramme. Der chinesische Text besagt wahrscheinlich “nicht aus dem Auto kotzen”.


Irgendwann nimmt man es einfach nicht mehr wahr. Es tut dann nicht mehr weh. Das neue Restaurant “Super Century Steak City” steht direkt neben dem Friseur “Poet Beauty Saloon”. Die Werbefirma gegenüber bietet „Graphics Context“ an. Und natürlich geht man zum Bezahlen der Telefon- und Gasrechnungen in den „Line Community Charges Supermarket“, weil die Banken diesen Service nicht anbieten.

Sie lernen übrigens jetzt auch französisch…

Ach ja, die Lösung: