Nun hab en wir das Jahr des Tigers. Wie auch die Jahre zuvor habe ich Neujahr im Ausland verbracht, bin aber rechtzeitig zum „Lantern Festival“ wieder im Land. Worum es beim Lantern Festival genau geht weiss ich nicht – es ist der erste Vollmond im neuen Jahr, und an diesem Tag muss anscheinend das noch vorhandene Feuerwerksmaterial aufgebraucht werden. Es kracht, und zwar gewaltig.
Lantern Festival ist morgen. Aber man soll sich ja langsam steigern, und insofern klingt es draussen momentan ungefaehr so wie in Deutschland am Neujahrsmorgen um 0 Uhr 3. Das wird jetzt in den naechsten 24 Stunden zunehmend mehr werden, bis man dann als vernuenftiger Mensch am besten einen Atomschutzbunker aufsuchen sollte. Raketen und Boeller wie im Deutschland gelten hier als Kinderspielzeug, echte Chinesen verwenden groessere Kaliber.
Nachdem es in den letzten Tagen wie zu erwarten wieder dutzende Tote durch Feuerwerk gab (ein typischer Verkaufsstand in einem Wohngebiet entfaltet potentiell mehr Sprengkraft als ein von Osama B. beladener LKW) versucht die Regierung etwas auf die Sicherheit zu achten. Klappt zwar nicht, ist aber lustig. Aus irgendeinem Grund ist im Park vor unserer Wohnanlage das Abfackeln von Feuerwerk verboten. So wie es rundherum kracht und knallt wird es zwar nichts helfen, aber bitte. Ein Verbot alleine reicht in China natuerlich nicht, an den Eingaengen des Parks steht massives Polizeiaufgebot, die Herren mit den weissen Helmen kontrollieren alle Taschen und Rucksaecke und konfiszieren Feuerwerksoerper. Daneben steht ein Feuerloescher. Zwei der vier Polizisten sind Kettenraucher, die auch beim Handhaben des konfiszierten Sprengstoffs fleissig an der Fluffe ziehen.
Ich setze mich daneben und schaue der Szene zu. Neben den Polizisten stapelt sich die beschlagnahmten Raketen und Boeller. Wenn gerade niemand zu kontrollieren ist wird es ihnen langweilig, sie nehmen sich dann Kracher vom Stapel, zuenden sie an ihren Zigaretten an und werfen sie in den feuerwerksfrei zu haltenden Park.
Irgendwann wird es mir zu laut und ich gehe nach Hause. Am Eingang unsere Wohnanlage wird auch fleissig gezuendelt. In Deutschland gibt es ja diese Matten aus kleinen Knallern, jeder 1-2cm lang, die gesamte Matte dann 10 Zentimeter lang und bestehend aus ca. 50 Knallkoerpern die dann fast gleichzeitig gezuendet werden. Sowas gibt es hier auch, allerdings sind die Matten 2-3m lang, und jeder einzelne Kracher wuerde bei uns als Kanonenschlag durchgehen. So ein Ding wird neben mir gezuendet, ich springe beiseite und bin erstmal taub. Dann kommt eine junge Muetter mit ihrem kleinen Kind, vielleicht 3 Jahre alt. Sie stellt eine Feuerwerksbatterie auf, ca. 1 Kubikmeter gross. Die Dinger schiessen minutenlang riesige Feuerwerksbomben ab und wuerde in Deutschland mit Sicherheit unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen. Runderhum weitere Muetter mit ihren Kindern (keine Ahnung wo die Maenner stecken) sowie die Wachen unserer Wohnanlage. Die Mutter gibt dem kleinen Kind ein Feuerzeug und laesst das Kind die Batterie anzuenden; dann greift sie das Kind, rennt 10m weg und versteckt sich hinter einem Busch. Alle andern bleiben naeher stehen (ich auch). Rumms. Rumms. Rumms. Das Grossfeuerwerk-in-a-box beginnt, in Deutschland muesste man bei sowas wohl einen halben Kilometer Abstand halten. Hier rieselt der Aschenregen auf die Schultern.
Draussen hallen die Echos der Explosionen zwischen den Hochhaeusern wieder. Stille gibt es nicht, es kracht ohne Unterbrechung, die Alarmanlagen der Autos heulen ohne Pause. An Schlaf ist nicht zu denken.
Dabei ist Lantern Festival doch erst morgen… das da draussen ist nur die Aufwaermuebung.























